Patronus – Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

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beschützt Kinder von psychisch kranken Eltern

Ab Oktober bietet der Grafschafter Kinderschutzbund ein neues Projekt für Kinder an, deren Eltern psychisch krank sind oder an einer Sucht leiden. Kinder aus betroffenen Familien wird dadurch eine Plattform für Entlastung, Stärkung und Wissensvermittlung geboten.

Was ist eine Depression und was macht sie mit meiner Mutter? Warum hört Papa nicht einfach auf, Bier zu trinken? Diese oder ähnliche Fragen werden die 8 bis 13-jährigen Kinder demnächst gemeinsam mit einer soz.-päd. Fachkraft und einer Psychologin einmal wöchentlich in sechsmonatiger Gruppenarbeit angehen. Spielerisch lernen sie, über Gefühle zu sprechen und erarbeiten Methoden, wie sie ihren Lebensalltag besser meistern können. Das Problem der Eltern können sie nicht lösen, obwohl sie sich manchmal schuldig fühlen. Manche Kinder versuchen, die Aufgaben ihrer Eltern zu übernehmen, wenn diese dazu nicht in der Lage sind. Andere Kinder schämen sich und bringen deshalb keine Freunde mit nach Hause. Die Belastungen können vielseitig und groß sein.

Erfahrungen konnte der Kinderschutzbund bereits mit der Gruppe „ImBlick“ machen. Diese entstand 2018 und führte bereits 10 Kinder durch zwei Maßnahmen. Initiiert wurde das Angebot durch eine Steuerungsgruppe mit erfahrenen Pädagogen und Psychologen aus verschiedenen Grafschafter Institutionen (Drogenberatungsstelle, Euregio-Klinik, Eylarduswerk, Jugendamt, Ökumenische Fachambulanz Sucht, Sozialpsychiatrischer Dienst), die tagtäglich mit betroffenen Kindern und Familien zusammenarbeiten. Durch die Heinrichs-Rammelkamp-Stiftung, die den Kinderschutzbund bereits zweimal mit 11000,- € unterstützte, konnten die dadurch entstandenen Kosten gedeckt werden. Evaluiert wurde „ImBlick“ u.a. durch die Ausarbeitung von drei Studentinnen der Saxion Enschede, die sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit diesem Thema befassten. Daraus geht hervor, dass Kinder psychisch kranker Eltern eine besondere Risikogruppe darstellen, da die kindliche Entwicklung durch die Erkrankung ihrer Eltern negativ beeinflusst werden kann und sie schlimmstenfalls in ihrem späteren Leben selbst an einer psychischen Erkrankung leiden oder einer Sucht verfallen. Etwa jedes vierte Kinder war 2017 von der Erkrankung eines Elternteils betroffen – Tendenz steigend. Über 60 % der betroffenen Kinder entwickeln selbst psychische Störungen.

Nun will der Kinderschutzbund ein langfristiges Projekt für diese Kinder schaffen. Damit sich dieses etabliert ist es notwendig, Fachpersonal und andere, die mit Kindern zu tun haben, für diese Zielgruppe zu sensibilisieren. Dazu wird der Verein stark in die Öffentlichkeitsarbeit einsteigen und Fachveranstaltungen durchführen für Sozialarbeiter*innen, psychiatrisches Fachpersonal und pädagogische Mitarbeiter*innen an Schulen und anderen Institutionen.

Die Erfahrungen haben auch gezeigt, dass die Kinder nach den sechsmonatigen Gruppentreffen weiterer Hilfen und Unterstützung bedürfen. Um die Nachhaltigkeit zu fördern, wird es für alle ehemaligen Kinder und die, die nicht direkt in die Gruppe einsteigen können, ein offenes Angebot geben. Hier ist Platz für Fragen bei Krisen in den Familien oder neu auftretenden Problemen. Dabei werden die Eltern mit ins Boot genommen. Ihnen wird eine Sprechstunde angeboten. Der Kinderschutzbund hält die Einbeziehung für notwendig, da die Eltern sich oftmals große Sorgen um die Entwicklung ihrer Kinder machen.

Das Projekt ist für die Teilnehmenden kostenfrei und unverbindlich. Durch die trägerübergreifende Mitarbeit der o.g. Kooperationspartner in der Konzeptionierung und die finanzielle Unterstützung der Heinrichs-Rammelkamp-Stiftung ist es dem Kinderschutzbund gelungen, eine Förderung durch die Aktion Mensch für eine Laufzeit von 5 Jahren zu erhalten. Mit der Fördersumme in Höhe von 275224,- € sind 90 % der Kosten gedeckt.  Nun bittet der Kinderschutzbund um Spenden, damit der vom Verein zu tragende Eigenanteil von 30580,- € den Lückenschluss in der Finanzierung schließt und betroffene Kinder aus der Grafschaft Bentheim zukünftig durch ihren eigenen Patronus beschützt werden können.

Ansprechpartner für das neue Projekt ist Maike Elbert: maike.elbert@ewe.net